“Erfahrungsbericht Freiarbeit” KW2/2012

Einer meiner häufigsten Sätze, die ich im Moment bei der Frage nach privaten Terminen gebrauche ist, “das passt, ich bin ja Freiarbeiter”. Freiarbeiter heißt in dem Zusammenhang nicht, das ich frei von Arbeit bin (als Unternehmensgründer in der Aufbauphase gibt es jede Menge Dinge zu erledigen, damit das Geschäfts zum Laufen kommt, und erfreulicherweise gibt es bereits die ersten Aufträge), sondern das ich eine maximale Flexibilität in der Bestimmung von Arbeitsort und dem Zeitpunkt, an dem ich die Arbeit erledige habe. Im Moment gibt es kaum externe Rahmenbedingungen, die mich in ein zeitliches Korsett pressen und ich erlebe diese Flexibilität als einen großen Mehrwert, denn sie ermöglicht es, intelligenter zu arbeiten (nicht härter) und privates und berufliches besser miteinander zu verbinden.

Neben meinem rein persönlichen Enthusiasmus bin ich der Überzeugung, das dies ein Handlungsfeld im Rahmen des Trend- und Innovationscoachings sein wird, da es auf Trends beruht und neue Wertschöpfungspotentiale bietet – und da man am besten über die Dinge beraten kann, in denen man Erfahrung hat, möchte ich das Thema an dieser Stelle anhand meiner eigenen Erfahrungen aufbereiten.

Definition “Freiarbeit”

Meine Definition der Freiarbeit lautet wie folgt:

  • Ich gebe dem Mitarbeiter die maximale Freiheit bei der Wahl des Arbeitsortes und des Zeitpunktes, an dem er die Arbeit erledigt
  • der Rahmen, in dem er sich dabei bewegt, sind die betrieblichen Belange (Termine, Projektphasen, …) – diese sind unbedingt zu beachten.
  • ich vertraue ihm, dass er die Arbeit eigenverantwortlich erledigt
  • ich bewerte das Ergebnis, nicht die Zahl der Stunden, die er dafür gebraucht hat

In dieser Definition stecken verschiedene Aspekte, die mit klassischer Arbeitsorganisation, deren Ansätze noch aus der Industriealisierung stammen, nicht konform gehen. Aber die Frage ist: Macht es denn Sinn, die heutige Arbeitswelt, die in weiten Teilen mit Informationen und Wissen arbeitet, so zu organisieren wie die Fließbandarbeit im 20. Jahrhundert? Was steht im Vordergrund: das Ergebnis selbst oder wann es erzeugt wurde ?

Ich bin überzeugt davon, das das Ergebnis im Vordergrund stehen muss und es keine ernsthafte Relevanz hat, wann und mit welchem zeitlichem Aufwand das Ergebnis entstanden ist. Am Ende zählt nur die Qualität des Ergebnisses.

Und hier sind wir bei einem zentralen Punkt: Können die Mitarbeiter die besten Ergebnisse zwischen 8 und 18 Uhr erzielen? Und können Sie dies im Büro tun? Ich sage: vielleicht – vielleicht aber auch nicht. Wir alle kennen die klassischen Bürosituationen: ich muss heute eine Präsentation für morgen erstellen, komme im Büro aufgrund Meetings, Fragen der Kollegen und dem Druck, unbedingt um 16:30 Feierabend machen zu müssen (um das Kind muss pünktlich bei der KiTa abzuholen) nicht voran und gehe gestresst und unzufrieden mit einer halb-fertigen Präsentation nach Hause. Sind dies ideale Bedingungen für die eigene Arbeit? Und wie ist die Qualität des Ergebnisses?

Wie wäre es, wenn ich die Präsentation morgens zwischen 6 und 8und zwischen 09:30 und 13:00 in Ruhe zu Hause erstelle, dann Telefonate und Mails erledige, um 14:30 einkaufen gehen und bevor ich das Kind um 17 Uhr abhole die Präsentation im nahe gelegenen Starbucks-Kaffee bei einem Cafe Latte nochmal durchgehe und sie “perfekt” mache?

Ich bin überzeugt, das in dieser Arbeitssituation die zweite Variante die Bessere ist. Sie erzeugt in weniger zeitlichen Aufwand (da ich konzentriert zu dem Zeitpunkt arbeiten konnte, zu dem ich dazu am besten in der Lage bin), die Qualität des Ergebnisses ist besser und ich bin entspannter, was sich dauerhaft mit einer höheren Motivation, Leistungsfähigkeit und auch Loyalität zum Unternehmen (welches mir diese Rahmenbedingungen bietet) auszahlt.

Allerdings…

An dem geschilderten Beispiel möchte ich deutlich machen, das in Konzepten, welche Arbeitsort und -zeitpunkt flexibilisieren, große Potentiale für Unternehmen liegen. Die Rahmenbedingungen sind bei jedem Unternehmen unterschiedlich, abhängig von der Art der Produkte oder Leistungen, Organisation, technische Ausstattung usw.. Um die Mehrwerte einer Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort zu finden und zu realisieren, bedarf es im ersten Schritt einer Analyse des Unternehmens, seiner Organisation und auch der Unternehmenskultur. Im zweiten Schritt werden aus der Analyse Maßnahmen abgeleitet, welche gezielt die Realisierung der Mehrwerte (hier z.B. Mitarbeiterzufriedenheit, Loyalität, gestiegene Arbeitsqualität) in den Fokus nehmen.

Welche Punkte zu beachten sind, welche Denk- und Arbeitsweisen die Grundlage für eine flexiblere, auf die Bedarfe des Unternehmens und des Mitarbeiters (oder besser gesagt des Menschen, der für mich arbeitet) abgestimmte Organisation sind und welche Rolle dabei der Faktor “Vertrauen” spielt, werde ich in kommenden Postings beschreiben.

Mein Wochenfazit als Freiarbeiter

Ich für meinen Teil habe diese Woche sehr flexibel und an verschiedensten Orten (zu Hause, beim Kunden, in Coworking Space, im Kaffee) gearbeitet. Ich habe morgens früh, abends spät gearbeitet und war tagsüber laufen, einkaufen und Kaffee trinken. Ich habe in den Momenten, an denen ich merkte, das die Konzentration nachlässt, Dinge liegen lassen und mich später wieder damit beschäftigt. Ich habe für die kommende Woche, in der u.a. drei Workshops anstehen alles, soweit wie das heute möglich war, vorbereitet.

Ich habe auch gemerkt, wie schwierig es manchmal ist, sich selbst aus den jahrelang trainierten Mustern (“nur wenn du lange arbeitest, bist du gut”) zu lösen und es passiert mir auch immer wieder, das ich noch “was fertig machen will”, obwohl ich in dem Moment zu müde bin und die Sache auch nicht dringend ist.

Aber jetzt, Freitag 14:30 schliesse ich meine Arbeitswoche ab – mit einem zufriedenen Gefühl, intelligenter (nicht härter) gearbeitet und alles Wichtige, im Zeitplan und mit guter Qualität erledigt zu haben.

P.S.: In dem Zusammenhang möchte ich auch auf den Blog Beitrag meines Freundes und ehemaligen Geschäftsführer bei INFOnline hinweisen, der das Thema gut aufbereitet. Wir haben diese Flexibilisierung in unserer gemeinsamen Zeit bei INFOnline bewusst gefördert und uns (im positiven Sinne) “mit dem Virus infiziert”…

5 Gedanken zu ““Erfahrungsbericht Freiarbeit” KW2/2012

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